Nach diesem Motto planten wir unser Heimwochenende nach den Sommerferien. Es sollte eine Erfahrung werden, die den Kindern undJugendlichen helfen soll ein Ziel zu haben und bis zum Erreichen zu verfolgen, sowie die eigenen Grenzen kennen lernen und überwinden.
Damit die Kondition und die Trittsicherheit auch Ausreicht, gingen wir im Vorfeld auf einige kleinere Wanderungen. Als erstes wurde der Oberfelder Hausberg St Anton in Angriff genommen und als zweites wurde der Hohe Kasten vom Montlinger Schwamm aus bezwungen. Aufgrund der verschiedenen körperlichen Verfassungen, entschieden wir uns die Gruppe zu teilen. Die einen hatten zum Ziel den Säntis zu besteigen und die anderen sollten uns auf dem ersten Teil Wanderung begleiten und danach wieder über einen einfacheren Weg zurück zum Ausgangspunkt wandern.
So starteten wir am Samstag gemeinsam vom Montlinger Schwamm und wanderten via Ruhsitz, Plattenbödeli zum Rheintaler Sämtis. Die Freude, aber auch die Aufregung war bei allen zu spüren und zum Teil auch sichtbar. Jeder musste seine eigenen Utensilien und die Verpflegung in seinem Rucksack mittragen. Kurz nach dem Ruhsitz machten wir den Mittagshalt und nahmen das wohlverdiente Mittagessen zu uns. Leider war unser Ziel, der Säntis den ganzen Tag von den Wolken umschlungen und nicht zu sehen. Nach dieser Rast marschierten wir weiter zum Plattenbödeli und entlang am Sämtisersee zum Rheintaler Sämtis. Dort erwartete uns bereits der Hirt zusammen mit seiner Frau. Wir Quartierten uns oberhalb des Stalles in einem Matratzenlager ein und vergnügten uns bis zum Nachtessen mit verschiedenen Spielen. Mit Käsehörnli und Apfelmus haben wir unsere Energiespeicher wieder aufgeladen. Satt und zufrieden ging es dann schon ziemlich schnell mal ins Bett, damit jeder für den nächsten Tag und die bevorstehende Aufgabe ausgeruht war.
Am Morgen waren allesamt ziemlich früh wach und es herrschte wieder eine fröhliche fast ausgelassene Stimmung. Schon bald waren alle angezogen und sassen am reichlich gedeckten Tisch beim Hirtenehepaar zum Frühstück. Es gab Joghurt und Butter aus eigener Produktion, sowie frisches Brot und Milch. Wir packten alle unsere Rucksäcke und machten uns gemeinsam auf den ersten Teil unserer Wanderung.
Bei der Abzweigung zur Bollenwies, trennten sich dann die älteren und diejenigen welche freiwillig zum Säntis wandern wollten vom Rest der Gruppe. Über die Wiedderalp ging es Richtung Meglisalp, wo die Mittagspause vorgesehen war. Es war schon ein beachtliches Stück, das wir hinter uns gebracht haben bevor wir das verdiente Mittagessen geniessen konnten. Nun ging es richtig zur Sache. Ein schmaler und steiler Weg musst begangen werden. Zwischendurch konnten wir auch immer unser Ziel den Säntis sehen. Der Weg zog sich immer weiter und wurde nach einem etwas flacheren Stück wieder ziemlich steil. Die Wanderung wurde nun immer anspruchsvoller und es mussten auch einige Schneefelder durchquert werden. Die Kräfte liessen langsam nach und es musste immer mehr gekämpft werden. Nun galt es dran zu bleiben und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.
Einige von uns mussten schon ein erstes Mal ihre Grenzen überwinden und trotz ersten Ermüdungserscheinungen weiter Richtung Säntis gehen. Zur Müdigkeit kam nun ein immer schwierigeres Gelände hinzu und es mussten sogar einzelne Passagen fast erklettert werden. Auch dabei kamen einigen an ihre Grenzen und mussten zum Teil verbal und moralisch unterstütz werden. Trotz der Ermattung und der Überwindungen behielten alle das Ziel, den Säntis, im Auge. Nun standen wir unter dem alten, ehrwürdigen Bergrestaurant „alter Säntis“. Der Weg zog sich aber immer noch wie eine Serpentine unserem Ziel entgegen. Fast eine halbe Stunde lang mussten wir weiter Schritt für Schritt den Weg hinter uns bringen. Dann war es endlich geschafft, wir liessen die letzten Meter hinter uns und jeder hat sein Ziel, den Säntis zu besteigen, erreicht. So war jeder von uns ein Gipfelstürmer und hat den Säntis mit eigener Kraft und einiger Überwindung erstiegen und bezwungen. Einer fühlte sich wie King Kong, dem die ganze Welt zu Füssen liegt, der andere war einfach nur glücklich, dass er am Ziel angekommen war.

Im Restaurant gönnten wir uns eine erste Stärkung, bevor wir dann mit der Säntisbahn als krönender Abschluss ins Tal fuhren. Ein kurzer Blick in die Schaukäserei auf der Schwägalp rundete den erlebnisreichen und schönen Tag ab. Auf der Heimreise herrschte wieder eine ausgelassen Stimmung und von Müdigkeit war vorerst nichts zu spüren. Nach einer erfrischenden Dusche und einer köstlichen Lasagne gingen alle erschöpft und glücklich ins Bett. So kann jeder wieder von einigen Erfahrungen und Erlebnissen berichten und wird sich bestimmt noch lange daran erinnern.
Claudio Buralli